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R4 Reportagen Nr. 12

Werte Freunde. Meinem heutigen Interviewpartner habe ich den Kosenamen ‚Zwetschgerl‘ gegeben. Das hat etwas mit seiner Vergangenheit zu tun. Warum vergebe ich Kosenamen? Mir hat vor einiger Zeit eine ReVilla-Mitarbeiterin den Namen ‚Resi‘ gegeben. Ich habe das als sehr lieb empfunden. Mit diesem Namen habe ich eine Identität bekommen. Ich war damit nicht irgendwas oder irgendwer, sondern ich war ab sofort die Resi. Hier das transkribierte Interview.

Resi: Hallo Zwetschgerl, als du ins ReVilla kamst, bist du mir gleich wegen deinem ausgefallenen Design positiv aufgefallen, und ein Kleiderständer aus diesem Material kommt auch nicht jeden Tag vor.

Zwetschgerl: Ich gefalle mir auch in dieser neuen Funktion. Ich will dir jetzt etwas über meine Vergangenheit berichten.

Resi: Da bin ich gespannt.

Zwetschgerl: Damals, als ich noch ein Zwetschgenbaum war, war ich der heutigen Zeit schon weit voraus.

Resi: Wie das?

Zwetschgerl: Kreislaufwirtschaft, ein Begriff der erst jetzt an Aktualität gewinnt, habe ich damals schon immer betrieben. Betrachten wir den Zyklus eines Jahres. Fangen wir mit dem Frühling an. Ausgeruht von den Mühen des vorhergehenden Jahres, spürte ich jedes Mal im Frühling wie meine Kräfte neu erwachten. Die Säfte flossen, von den Wurzeln angefangen bis in die Spitzen des kleinsten Astes. Wie glücklich war ich, als endlich das Summen der Bienen, angelockt durch meine herrliche Blütenpracht, um mich herum erklang. Den sinnlichen Akt der Bestäubung kann ich gar beschreiben. Im Sommer, wenn im wahrsten Sinne des Wortes, die Früchte meiner Arbeit vom Menschen geerntet wurden, war ich besonders stolz. Diese blau-violetten Kostbarkeiten mit ihrem süß-säuerlichen Geschmack konnten zu herrlichen Marmeladen, Kompotte, Zwetschgenkuchen etc. verarbeitet werden. Wenn man wollte konnte man sie auch roh konsumieren. Ein besonderes Produkt, Slivowitz, sorgte bei Menschen die ihn konsumierten für entspannte Stunden sozusagen, mit dem Nachteil des darauffolgenden Katers am nächsten Tag. Kommen wir zum Herbst. Nach getaner Arbeit war es Zeit die Blätter abzuwerfen. Das hatte auch seinen Grund. Als Teil der Natur produzierte ich keine Abfälle. Meine abgefallenen Blätter waren die Nahrungsgrundlage für Kleinstlebewesen und Mikroorganismen im Boden. Diese Bodenlebewesen schlossen den Nährstoffkreislauf in der Natur. Ohne sie konnte der Stoffkreislauf nicht funktionieren und es wäre kein Pflanzenwachstum möglich gewesen. Der Winter bedeutete letztendlich eine besinnliche Zeit, wieder zur Ruhe kommen und Kräfte sammeln für den nächsten Zyklus.

Resi: Ich bin von deiner Weisheit beeindruckt. Du hast aber auch das Wort ‚Mühe‘ erwähnt.

Zwetschgerl: Immer von vorne beginnen zu müssen ist mühsam. Es gab auch schwere Zeiten, wo die sogenannten Eisheiligen meine Blüten vernichteten. Dadurch gab es auch keine Früchte. Das waren immer traurige Jahre.

Resi: Bist du froh jetzt hier zu sein und anders zu dienen?

Zwetschgerl: Ich bin nicht undankbar für meine jetzige Situation. Kollegen von mir wurden ganz anders verwertet. Man hat mich mit viel Hingabe zu dem gemacht was ich jetzt bin. Aber wenn ich wählen könnte würde ich meine erste Daseinsform vorziehen.

Resi: Wenn du einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen.

Zwetschgerl: Ich würde mir wünschen, dass die Menschen begännen von uns Pflanzen zu lernen. Friedrich Schiller hat es folgend beschrieben:

‚Suchst du das Höchste, das Größte?

Die Pflanze kann es dich lehren.

Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ists!‘

Resi: Wow.

Zwetschgerl: Hab‘ noch einen schönen Tag.

Resi: Danke.

 

 Bis bald – ich bin Resi, eure Rasende ReVilla-Reporterin.